web 2.1 oder "Die Communitycloud"

Was ist eigentlich dieses Web 2.1 und warum will ich das.

Als erstes muss ich sagen, das ich nur sehr zögerlich und sehr skeptisch bei dem mitmache, was vor Ewigkeiten mal Web 2.0 genannt wurde:

  • myspace
  • facebook
  • flickr
  • twitter
  • etc.

Dazu gibt es dann noch etliche praktische Dienste, die alle möglichen Daten syncronisieren können:

  • Booksmarks
  • Termine
  • Adressen
  • Notitzen
  • Dateien
  • etc.

Während ich bei der ersten Gruppe nur skeptisch bin, die Dienste aber mehr oder weniger verantwortlich nutze, habe ich mit der zweiten Gruppe ernsthafte Probleme. Hier geht es um Daten, die nicht nur privat sind, sondern auch vertraulich. D.h., diese haben im Netz einfach nichts zu suchen, schon gar nicht bei Dienstleistern, deren Geschäftsmodell darin besteht, meine Daten zu Rendite zu verwandeln.

Andererseits nimmt der Leidensdruck langsam, aber stetig zu: ich habe inzwischen neben meinem Macbook noch ein Ubuntu Netbook, möchte neben meinem iPhone auch ein android haben und möchte alle möglichen Daten zwischen den Geräten abgleichen.

Ich möchte morgens einfach das passende Gerät für den Tag einpacken, ohne mir darüber Gedanken machen zu müssen, ob ich alle nötigen Daten mit habe.

Außer dem ist die Geschäftspolitik der Firma Apple eine Bedrohung, so das ich ein zweites Standbein haben möchte.

Und was hat das alles mit web 2.1 zu tun?

Web 2.1 bedeutet für mich, die Annehmlichkeiten der Bunten Web 2.0 Welt in funktionieren und in der “Communitycloud” zu haben.

Für einige Dienste hab ich das schon seit Jahren:

  • DNS
  • Mail
  • Blog
  • Web

Ich betreibe zwei Nameserver, auf denen meine Domains und subdomains von anderen aufschlagen, einige Domains werden wiederum per Zoneupdate von Freunden betreut.

Aufwendig, liebhaberei, bis vor kurzem hatte ich nur einen, die backupserver waren auf Rootservern von Freunden gehostet. Nicht wirklich nötig, so lange man eine einfache Regel befolgt:

Hoste deine Domains immer bei einem anderen Anbieter als deine Server.

Was du mal Ärger mit deinem Hostingabieter hast, dann kannst du schnell und bequem deine Dienste zu einem anderen Anbieter umziehen und die Domains umstellen, dein Hostinganbieter kann dich in diesem Fall nicht mit der drohenden Abschaltung unter Druck setzen.

Mail selbst zu betreiben ist extrem sinnvoll, da man beim eigenen Mailserver keine Abhörschnittstelle bereitstellen muss, hat aber auch enormes potential für Fuck-Ups. Kann man auch genau so gut bei befreundeten Nerds machen. Hat viele andere Vorteile, z.B. ist meine Postfach nur durch die größe der Festplatte des Servers begrenzt, in meinem Falle 200GB. Da machen große Mailanhänge auch keine Probleme.

Das Blog ist ein WordPress. Punkt. Wenn ich ein Plugin will, dann tut das. Egal was ich will, es gibt keinen Anbieter, die mich einschränkt und dann, wenn es lustig wird, die Hand aufhält. Auf der Kiste, auf der das Blog läuft, sind noch 16GB frei, wenn das knapp wird, dann frag ich nach Platz.

Kein Anbieter, der aus künstlicher Verknappung von Resourcen ein Geschäftsmodell macht.

Und was ist mit Web?

Mein Webserver ist ein klassischer Apache, mit vielen Modulen. Irgendwas mit ruby? kein Problem. Ein seltsames perl-script? Keine Frage! Nebenbei noch ein wenig Versionsverwaltung? Projekt Management? Kein Thema, subversion und trac sind schnell installiert.

Kein Bausteinsystem, bei dem man für den Baustein extra bezahlen muss.

Community Cloud, oder “wie viele Server braucht man dafür?”

Grundsätzlich keinen! Das meiste läuft irgendwo auf den Servern von Freunden und Bekannten mit, ein FreeBSD jail hier, eine Xen Dom-U dort, ein paar Domains bei Nameservern von Freunden, ein wenig auf dem eigenen Rootserver.

Dafür stehen meine Resourcen wiederum Leuten zur Verfügung, die mich kennen und “mal eben” irgendwas brauchen.

Es bildet sich ein Geflecht, in dem alle allen Hosting und Dienste zur Verfügung stellen, die Communitycloud.

Seit ein paar Tagen steht mein neuer Server im Rechenzentrum des IN-Berlin und ich kann endlich Dienste aufsetzen, die so speicherhungrig sind, das ich sie Freunden und Bekannten nicht zumuten kann. Und natürlich alle anderen möglichen “Spielzeuge”:

  • Tomboy sind die praktischen digitalen Haftnotizen, gibs für Linux, Apple und Windows. Syncronisiert über die Ubuntu Cloud, oder über meinen Tomboy Server, Wenn du willst, dann klickst du dir einen Account.
  • Firefox 4.0 hat das Firefox sync plugin eingebaut, statt über Mozilla zu syncen, syncronisiere ich über meinen Firefox sync Service. Accounts gib’s auf Zuruf.
  • Im Moment benutze ich den Cosmo Server vom Chandler Projekt als meinen Kalender, da der aber nicht wie gewünscht mit meinem Apple tut, werde ich bald etwas anders installieren.
  • Statt Dropbox gibt es iFolder, dort kann man die für den Server benötigte Softwareherunterladen und selbst installieren, nach dem Kalender mein nächstes Projekt.

Was kommt danach?

  • Statt Twitter gibt es identi.ca, die Software dahinter ist status.net, eine open source microbloging server Software nach dem microblogging standard.
  • Chatten kann man auch über einen eigenen Jabberserver, OpenFire z.B.
  • Verbinden kann man das mit RSS, Atom, XMPP, etc.

Fazit:

Mein digitales Leben ist in der Cloud. Der meines Freundeskreises, nicht der eines Anbieters. Wir helfen uns gegenseitig. Wir helfen anderen, die das mit der Technik nicht so toll können. Wir praktizieren freies und selbstbestimmtes digitales Leben. Und jeder kann damit anfangen. Sollte es auch. Möglichst jetzt sofort.

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5 Responses to web 2.1 oder "Die Communitycloud"

  1. XeN says:

    Du könntest mir nicht zufällig verraten wie du deinen eigenen Firefox Sync Server gebastelt hast?
    Ich hatte mich damit mal befasst bin aber kläglich gescheitert. war mir irgendwie zu komplex. Weiß es nich mehr genau. Ist lang her.

  2. alx says:

    Mangels Zeit (wir haben Wahlkampf), eher kurz: ich habe weave benutzt. Es war schmerzarm. Aber, es tut nicht mit der iPhone App.

  3. daniel says:

    Der Artikel spricht mir aus der Seele und bietet zusammen mit deinen folgenden Einträgen gute Lösungsansätze. Danke!

  4. +1 ! Ich habe 80% davon selbst beschritten und freue mich, better late than never auf Deinen Artikel gestossen zusein.

    Als Kalender-server empfehle ich Dir DAViCal, denn das funktioniert gut, wie der Name sagt über CalDAV. Ich hab etwas Kontakt zu dem (neuseeländischen) Entwickler, er kreuzt regelmässig in Hannover zur CeBit auf.

    Lass uns mal treffen oder wenigstens mumblen.

    • alx says:

      Habe mal mit Leuten gesprochen, die sich den Code angeschaut haben. Soll nicht so toll sein. Außerdem ist es PHP, und ich fahre eine “so wenig php wie möglich” policy. Das webinterface für den notzugriff sah auch nicht so toll aus.

      Treffen gerne, falls du in berlin bist, auf nen Kaffee in meinem Büro.

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